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… Nach zwanzig Jahren 9. November 1989: Zeitzeugen erinnern sich.
Rezensiert von György Dalos, Schriftsteller
Geschichte wird höchst individuell erlebt: Für die Olympiasiegerin im Weitsprung, Heike Drechsler, brachte das Wunderjahr 1989 zwei persönliche Erfahrungen. Eine traurige: Das Weggehen der besten Freundin in den Westen. Und eine Freudevolle: Die Geburt ihres Sohnes am 1. November. Kann man von einer Person in dieser Situation erwarten, dass sie die Ereignisse, die zum Zusammenbruch des Honecker-Regimes führten, akribisch verfolgt oder sich auf Günter Schabowskis berühmte Erklärung hin mit dem acht Tage alten Sohn Tommy zum nächsten Grenzübergang begibt? Interessant ist, dass jeder der ungefähr 40 Autoren des von Petra Heß und Christoph Kloft zusammengestellten Zeitmosaiks einiges nur von ihm selbst Erlebtes der großen Geschichte hinzufügen konnte.
Das Spannende der Erinnerungen besteht darin, dass die Protagonisten einen breiten Querschnitt repräsentieren. Spitzenpolitiker wie Wolfgang Thierse und Franz Müntefering, Geistliche wie Friedrich Schorlemmer und Klaus Krenz, Künstler wie Udo Lindenberg und Stephan Krawczyk, Vertreter aller Generationen aus Ost und West teilen uns in Anekdoten, Analysen und sogar Gedichten ihre Eindrücke von dem 9. November 1989 mit. Dieser Tag ist ein Ereignis, in dem Miterlebtes und Mitbewirktes wie in einem Fokus versammelt wird. Die einzelnen Stationen der Vorgeschichte der Maueröffnung beginnend mit dem Juni-Aufstand 1953, die Protestwelle nach Wolf Biermanns Rauswurf im November 1976, die Friedens- und Oppositionsbewegung der achtziger Jahre, die Auswirkung von Gorbatschows Perestrojka, der Angriff auf die Umweltbibliothek, die Massenflucht der DDR-Bürger über Polen, CSSR und Ungarn und schließlich die Leipziger Montagsdemos – all das erscheint in den Beiträgen als je eine Etappe der Selbstzerstörung einer inhumanen und kopflosen Diktatur. Einige Autoren verweisen auch auf das unsichere Gefühl bald nach dem Mauerfall, sowie auf den langsamen Charakter des Zusammenwachsens von Ost und West eines so lang getrennten Landes.
Petra Heß, Christoph Kloft (Hrsg.) »Der Mauerfall – 20 Jahre danach …« Rhein-Mosel-Verlag 253 Seiten, ISBN 978-3-89801-045-0, 19,80 Euro
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