Rhein-Mosel-Verlag
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Der Mauerfall. 20 Jahre danach
-  Eine Rezension -

Was zusammengehört - wächst das zwangsläufig zusammen? Die Umkehrung von Willy Brandts berühmtem Satz wirft Fragen auf. Als ob das so einfach wäre - zusammenzuwachsen. Der Chor der Zweifler und Nörgler bleibt in Ost und West immer noch gut hörbar. Und ist sein Lied so ganz ohne Berechtigung? Da tun sich Gräben auf, angefüllt mit Klischees und Pauschalurteilen .
Ein Rezept zur Überwindung gefällig? Hier ist es. Von Petra Heß (MdB) und Christoph Kloft (Autor) herausgegeben, kreist eine Anthologie mit 40 Beiträgen um die Ereignisse in der Endphase der DDR, die meisten befassen sich mit der krisenhaften Zuspitzung vom 8.10. bis 9.11.1989 und mit den ungeheuer ereignisreichen Monaten bis zur Wiedervereinigung am 3.10.1990.
Zwanzig Jahre danach - aus der Retrospektive halten Zeitzeugen Rückschau auf die turbulenten Ereignisse, deren Ausgang durchaus offen war: Junge und Alte, Männer und Frauen, Politiker und Sportler, Liedermacher und Pfarrer, Wissenschaftler und Entertainer. Zugegeben, der Rezensent ist befangen, denn er gehört zu den Beiträgern.  Aber dennoch darf und soll es gesagt sein: Die Beiträge sind so unterschiedlich, facettenreich und bunt, wie es die Beiträgerinnen und Beiträger sind. Was haben Bernhard Vogel und Udo Lindenberg, Eberhard Gienger (ja, der Turner!) und Wolfgang Niedecken gemeinsam? Viel! Sie teilen eine sehr persönlich gefärbte Erinnerung an den Mauerfall – ohne dass es stets um die Mauer in Berlin geht. In Thüringen etwa wird ein Journalist kurz nach der Wende entsetzt Zeuge einer rechtsextremen Demonstration. Dafür hatten die Ostdeutschen doch nicht gekämpft!
Und dass sie gekämpft haben, zeigen die Beiträge. Für mich am eindrucksvollsten die Schilderungen von Jörg Hildebrandt, Witwer der unvergessenen, couragierten Regine Hildebrandt. Die Mauer an der berühmten Bernauer Straße zwischen dem Bezirk Wedding (West) und Mitte (Ost) wird hier zu einer fast körperlichen Erfahrung, voller Willkür und Kränkung.
Lew Kopelew hatte einst einem Band seiner Erinnerungen den eindringlichen Titel gegeben „Aufbewahren für alle Zeit“. Diesen Stempel möchte man auch der vorliegenden Anthologie aufdrücken und ihr sehr viele Leserinnen und Leser wünschen: Augenzeugen und Nachgeborene (die besonders!), aus Ost und aus West. Denn es gibt viel zu erinnern aus jenen Monaten, von denen uns inzwischen unglaubliche zwanzig Jahre trennen. Denn nicht nur Mauern trennen, die Zeit vermag das auch. Darum kommt das vorliegende Buch zur rechten Zeit. Es wird den Tag überdauern.


Prof. Dr. Johannes Roskothen

Lehrbeauftragter für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
- Freier Publizist - 


 
LESER-TIPP 1:

"Kubatraum '57" von Hans Tönjes Redenius


www.kubatraum.de

LESER-TIPP 2:

"Kamillenblumen" von Ute Bales

www.kamillenblumen.de