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Thüringer Allgemeine, Arnstadt 10.07.09 |
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Die Wende und die Liebe
Wie war das damals vor 20 Jahren? In einer Anthologie versuchen 42 Autoren einen Rückblick auf die Wende, darunter einige Prominente und einige, die man in Arnstadt gut kennt.
ARNSTADT. Christian Hühn war verliebt. Und wie das so ist mit den Flugzeugen im Bauch, lassen sie sich auch nicht abstellen, wenn es um die Rettung der Welt geht. So kam für ihn damals alles zusammen: Die Unzufriedenheit über die Zustände in der DDR, das erste zarte Aufkeimen von Oppositionsgruppen und eben die Gedanken an jenes Mädchen, das später seine Frau werden sollte. Christian Hühn hat eine sehr persönliche Geschichte für die Anthologie "Der Mauerfall. 20 Jahre danach. . ." beigesteuert. Und er hat die Form eines Briefes an seinen Sohn gewählt. Auch Jürgen Ludwig hat Briefe beigesteuert, zwei in einem fiktiven Dialog mit einem Fragesteller, zwei an "Gorbi" und "Willy". Und es ist ebenfalls ein sehr persönlicher und bewegender Rückblick dabei herausbekommen. Der Brief des ehemaligen Arnstädter Bürgermeisters Bernd Markert an Hans Eichel klingt zunächst etwas kühler, aber das macht vielleicht gerade seinen Wert aus. Denn Markert tut nicht so, als sei er schon immer ein Widerstandskämpfer gewesen. Er steht zu "seiner" DDR, auch wenn er sie gern von innen mit verändert hätte. Lutz-Rainer Senglaub liefert dazu das Gegenstück: Der erste Landrat nach der Wende erzählt, was Runde Tische vermochten. Und was nicht. Ewert Becker, ab 1990 Lokalredakteur der TA in Arnstadt, steuert hingegen eine Schmonzette bei, wie sich in Arnstadt eine Art CSU gründen wollte - und von der Mutterpartei eine aufs Maul bekam. Dass in einem Buch über die Wende, in dem auch Udo Lindenberg, Sebastian Krumbiegel, Franz Alt, Wolfgang Tiefensee oder die beiden Vogel-Brüder vorkommen, so viele Arnstädter enthalten sind, liegt an den beiden Herausgebern. Die Bundestagsabgeordnete Petra Heß ist in der Region verwurzelt, Christoph Kloft kam kurz nach der Wende als Journalist aus dem Westen und erlebte hier den Umbruch hautnah mit. Und nicht nur die positiven Seiten: Auch von dem großen Neonazi- Aufmarsch 1992 in Arnstadt wird berichtet. Und bei der Gegendemonstration am Rathaus standen Petra Heß und Christoph Kloft nebeneinander. Ihr Wende-Buch, das jetzt erschienen ist, muss man nicht hintereinander weg lesen. Es ist voller Brüche, die nicht nur der Unterschiedlichkeit der Stile der Autoren geschuldet sind, sondern auch der Vielfalt der Sichtweisen. Gedichte sind darunter, Liedtexte, Briefe und einfach Erlebnisberichte. Dass Petra Heß für die SPD im Bundestag sitzt, führt nicht zu einer nur einseitigen Auswahl der Mitstreiter: Norbert Lammert, Bernhard Vogel oder Dieter Thomas Heck stehen kaum im Verdacht, den Sozialdemokraten inniglich verbunden zu sein. Es ist ein Mosaik entstanden, das Lust macht, in eigenen Erinnerungen zu graben. Und das auch beweist: 20 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Aber doch eine historisch recht kurze Zeitspanne.
Eberhardt PFEIFFER "Der Mauerfall - 20 Jahre danach. . ." von Petra Heß und Christoph Kloft (Herausg.), Rhein-Mosel-Verlag, 19,80 Euro .
10.07.2009
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